„2000 Schwimmbäder voll Wein" - Weisgerber kämpft für unterfränkische Interessen bei Weinmarktreform

Die Kitzinger, 13. November 2007

WÜRZBURG. In Europa wird zu viel Wein produziert. Steuerzahler müssen dessen Verwertung bezahlen. Der Missstand hat den Prozess einer Weinmarktreform ausgelöst. Diese Reform schießt laut der unterfränkischen Europa-Abgeordneten Dr. Anja Weisgerber jedoch über das Ziel hinaus. Jetzt kämpfe sie dafür, dass die vorgesehenen Änderungen nicht ausgerechnet dem Weinbaugebiet Franken schaden, das so gut wie keine Überproduktion zu verantworten habe,
Vor Vertretern des Arbeitskreises Europa, der einst von der CSU ins Leben gerufen wunde, aber verschiedensten Gruppierungen und Interessenverbänden offensteht, sprach Welsgerber von einem europäischen Weinsee. Für „2000 Schwimmbäder voll Wein" müssten jährlich rund 600 Millionen Euro aufgewendet. werden. Die Kosten für die Destillation von Billigwein, zumeist aus Südeuropa, müssten die EU-Bürger über Steuern tragen. „Diese Dauersubvention muss beendet werden", schließt sich die EU-Abgeordnete den Forderungen der EU-Kommission an.
Im Zuge einer EU-Weinmarktreform haben sich aber weitere kritische Punkte ergeben. So geht es beispielsweise um Rodungspläne für Weinberge. Das EU-Parlament habe jedoch einen ersten Vorschlag der EU-Kommission abgemildert. Demnach gehe man jetzt von einer auf 200 000 Hektar halbierten Rodungsfläche aus. Zudem sollen Steillagen aus dem einmaligen Programm genommen werden. Weiterhin soll es jeweils nationale Finanzierungsrahmen geben. Damit könnten die Mitgliedsstaaten vor Ort entscheiden und eigene Förderschwerpunkte setzen, verwies Weisgerber auf erste Erfolge. Die Rodungen sollen freiwillig und mit einer Prämie verbunden sein. Auch der eine oder andere Winzer hierzulande könnte, zum Beispiel im Falle einer Aufgabe wegen ungeklärter Betriebsnachfolge, diese Chance wahrnehmen.

Auswirkung der Rodungen abwarten
Auch bei den anderen Reformpunkten will Weisgerber die Interessen der heimischen Winzer vertreten. So lehnt sie es strikt ab, jetzt schon über Neuanpflanzungsrechte zu verhandeln. Bevor der Weinanbau liberalisiert werde, müsse man zuerst die Auswirkungen der Rodungen abwarten, sagte die EU-Abgeordnete. Immerhin habe man die Entscheidung zur Liberalisierung von 2010 auf 2014 verschieben können, mit dem Argument, dass neue Überschüsse entstehen könnten und der Land¬schaftsschutz in Gefahr sei.
Auch laufe sie, so Weisgerber wörtlich, „Sturm gegen das geplante Verbot der Saccharose-Anreicherung". Die Schönung des Weins sei ein traditionelles Verfahren. Bei schlechter Witterung müsse der Zuckerzusatz weiterhin erlaubt sein, obwohl durch den Klimawandel dieses Problem in Franken wohl nur noch als geringfügig anzusehen sei.
Wichtiger sei die Erhaltung der einzigartigen Vielfalt an Lagen und Rebsorten. Diese müsse auf dem Etikett weiterhin erkennbar sein. Die Kommission habe inzwischen signalisiert, so die EU-Abgeordnete, dass es nicht Ziel sei, die bestehenden Bezeichnungen anzutasten. Anja Weisgerber versprach den fränkischen Weinbauern trotzdem, sich um eine Präzisierung des Gesetzestextes zu bemühen.
Auf eine heikle Situation in Bezug auf den Bocksbeutelschutz wies der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt, hin. Der Bocksbeutel sei lediglich über eine Durchführungs-Verordnung geschützt. Wenn jedoch die bestehende Wein-Marktordnung außer Kraft gesetzt werde, sei in der Folge automatisch auch die bisherige Durchführungs-Verordnung gekippt und das gläserne fränkische Wahrzeichen praktisch schutzlos. So weit will es Anja Weisgerber aber nicht kommen lassen. Deshalb sei es zunächst ihr Bestreben, den Bocksbeutelschutz in der neuen Weinmarktordnung zu verankern. Aber, so die EU-Abgeordnete, egal wie es komme, „der Bocksbeulelschutz muss gewahrt bleiben".
Entscheidung liegt beim Ministerrat
In diesem Sinne sehen die fränkischen Winzer mit gespannter Erwartung den nächsten Wochen entgegen. Wie im Agrarbereich üblich, wird es abschließend zu der geplanten Weinmarktreform ein Anhörungsverfahren geben. Das EU-Parlament kann nicht mitbestimmen. Die Entscheidung liegt letztlich beim Ministerrat, der voraussichtlich am 15. Dezember abschließend beraten soll.

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