Ab 2015 erstmals ein Grenzwert für kleinste Partikel

Medical Tribune online, 12. Dezember 2007

STRASSBURG – Die Menschen in der EU sollen künftig besser vor Feinstaub geschützt werden. Darauf zielt eine neue Richtlinie ab, die das Europaparlament in zweiter und abschließender Lesung verabschiedet hat. Demnach soll ab 2015 erstmals auch für Feinstaub aus besonders kleinen Partikeln von bis zu 2,5 Tausendstel Millimeter Größe (PM 2,5) ein verbindlicher Richtwert eingeführt werden.

Die EU-Staaten werden verpflichtet, ihre Netze von Messstellen nachzurüsten und auszubauen. Die bereits geltenden Grenzwerte für gröberen Feinstaub bis zu zehn Tausendstel Millimeter (PM 10) sollen beibehalten werden.

Für Kleinstpartikel, die in Lungen und Bronchien eindringen und daher besonders gesundheitsschädlich sind, soll ab 2015 ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel eingeführt werden. In Wohngebieten soll der durchschnittliche Ausstoß auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft begrenzt werden. Ab 2020 gilt dieser strengere Grenzwert von 20 Mikrogramm dann überall. Registriert werden diese Werte an allen Feinstaub-Messstationen - in Deutschland sind dies derzeit über 430.

Der zwischen Parlament und Ministerrat ausgehandelte Kompromiss sieht allerdings vor, dass Gemeinden in besonders ungünstiger Lage - etwa direkt an einer Autobahn - eine Zusatzfrist von drei Jahren bewilligt bekommen. Bis dahin sollen weitere Maßnahmen greifen, die die EU-Kommission bereits zugesagt hat: Strengere Auflagen für den Feinstaub-Ausstoß durch Lkw, Schiffsmotoren, Industrieanlagen und die Beheizung von Gebäuden. Für Pkw mit Dieselmotoren wurden bereits schärfere Auflagen beschlossen, die ab Herbst 2009 gelten sollen. Die sogenannte Euro-5-Norm schreibt für Neuwagen einen Rußpartikel-Grenzwert von fünf Milligramm pro Kilometer vor - gegenüber 25 Milligramm heute.

Ohne diese flankierenden Maßnahmen seien die Kommunen nicht in der Lage, die neuen Vorgaben einzuhalten, betonte die CSU-Abgeordnete Anja Weisgerber. Nur "20 bis 30 Prozent der Rußpartikel" stammten vom lokalen Verkehr. Daher sei es wichtig, die Emissionen bereits an der Quelle einzuschränken. Die deutsche Grüne Hiltrud Breyer rief die Kommunen auf, die Schonfrist nun zu "beherztem Handeln" zu nutzen. Sie sollten dem Beispiel von Städten wie Berlin und Köln folgen, wo ab Januar Umweltzonen eingerichtet würden.

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