Auch Minister können sparen

Schweinfurter Tagblatt

Eberhard Sinner rief beim Energieforum der JU zu mehr Umweltbewusstsein auf

SCHWEBHEIM "Als Verbraucherminister kann ich auf einer solchen Veranstaltung demonstrieren, dass regenerative Energieformen nicht nur dem Bereich der Forschung zugeordnet werden, sondern dem Ressort Verbrauch!", bezog der bayerische Staatsminister Eberhard Sinner beim Energieforum der Jungen Union Position.

Sinner war der Einladung der Jungen Union zu einem Energieforum gefolgt mit dem Titel "Wasserstoff aus Sonne, Wind und Biomasse = Energiewirtschaft der Zukunft". Die Bezirksvorsitzenden der JU Unterfranken, Peter Franke-Vahldieck und Anja Weisgerber, wollten mit ihrer Veranstaltung bei den Bürgern "das Bewusstsein für die Wasserstofftechnologie, für regenerative Energien und auch für Energiemanagementsysteme zur Steigerung der Energieeffizienz wecken". Dabei stellten neben dem Bayerischen Staatsminister Eberhard Sinner auch Wirtschaftsvertreter ihre Modelle zur Energiewirtschaft der Zukunft vor.

Ziel für die bayerische Regierung sei es, so Eberhard Sinner, den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit 10,4 auf etwa 13 Prozent zu steigern. Wichtiges Kriterium bleibe aber dabei die Wirtschaftlichkeit. Denn: "Der Strom soll nicht nur aus deutschen Steckdosen, sondern auch aus heimischen Kraftwerken bezogen werden". So sei bei den alternativen Energieformen zunächst einmal ein "Energie-Input" erforderlich, um beispielsweise ein Windrad oder eine Solaranlage zu bauen. "Der effektive Erntefaktor muss über die ganze Lebensdauer berechnet werden", so der Verbraucherminister.

Ein Erfolg bei der Klimapolitik solle mit möglichst geringen Kosten beginnen. So sei die Förderung der Photovoltaik eher unökonomisch im Vergleich zu Biomasse. Die Wirtschaftlichkeit alternativer Energiegewinnung müsse vor der Markteinführung gewährleistet sein, damit es nicht zu Dauersubventionen komme. "Eine solche Erhaltungssubvention in veraltete Energiegewinnung ist eine Verhinderung von Neuentwicklung", betonte Sinner vor knapp 200 Zuhörern. Forschung sei das A und O. Wasserstoff habe als Energieträger einen enormen Vorteil gegenüber Wind und Sonne, die jeweils nur begrenzt verfügbar seien: Wasserstoff sei ein speicherbarer Energieträger mit hoher Wirtschaftlichkeit und Konstanz, so Sinner.

Die größte Einsparung an Energie und Schadstoffausstoß könne jedoch jeder Bürger selbst vornehmen. "Jeder kann heute schon anfangen, und mehr durch bewussten Umgang mit der Energie einsparen, als es durch regenerative Energiegewinnung möglich ist", gab Sinner den Zuhörern mit auf den Weg. Den Verkehr bezeichnete er als "größte Energieverschwendung". Nicht jeder Schüler müsse täglich mit dem Pkw zur Schule fahren und auch Minister könnten Autos fahren, deren Verbrauch die zehn-Liter-Marke nicht überschreite. Die Staatsregierung werde Forschung und Markteinführung regenerativer Energien weiter verfolgen und als wesentliches Zukunftsthema behandeln.

Von der Siemens AG erläuterte Christoph Bermüller "Die intelligente Einbindung dezentraler Energieerzeugung in den Netzverbund". Zwar würde heutzutage etwa 90 bis 95 Prozent des Stroms aus Großbetrieben bezogen, doch werde das Wachstum dezentraler Erzeugung bis zum Jahr 2020 auf bis zu 30 Prozent geschätzt. Wichtig sei daher ein intelligentes Energiemanagement, was über eine Leitzentrale für eine konstante Strombereitstellung sorge. Bernhard Bedenk vom UEZ Lülsfeld gab mit seinem Vortrag Einblick, wie man "mit erneuerbaren Energien schwarze Zahlen schreiben" kann. Dabei komme es bei den regenerativen Energieformen insbesondere auf eine gute Ausrichtung der Anlage an, auf eine wirtschaftliche Größe und die Ausnutzung von Fördermodellen oder Einsparungsmöglichkeiten. Vor allem Windkraftanlagen hätten in den vergangen Jahren einen großen Boom erfahren. Gerade hier sei die Frage des Standortes jedoch existentiell. "Eine doppelte Windgeschwindigkeit sorgt für die achtfache Ausbeute an Energie", erklärte der Leiter der Energieberatung. Solaranlagen für die Warmwasseraufbereitung lägen bei der derzeitigen Energiepreissituation an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit, sollten jedoch bei Umbauten oder Renovierung berücksichtigt werden.

Schweinfurter Tagblatt für Region Main-Rhön Mainpost Landkreis Bad Kissingen: Monntag, 17.06.2002
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