Auf der Suche nach dem Landarzt

MainPost, 23. April 2013

„In zwei Jahren gehen die Lichter aus“: Manfred Greubel aus Kolitzheim sieht schwarz, was die ärztliche Versorgung auf dem Land betrifft, nicht nur in der Stammheimer Gegend. „Der Zug geht in die Stadt“, warnt Greubel auf der Jahreshauptversammlung der christsozialen Kreis-Senioren. Sein eigener Arzt ist Grieche, Zuwanderung aus dem Süden der EU seine große Hoffnung. „Wie etwa sollen Rentner ohne Auto noch in die Arztpraxis kommen?“, fragt er sich.

„Es brennt“, gibt Anja Weisgerber zu, die als Europaabgeordnete und Bundestagskandiatin der Union zu diesem Thema referiert. „Das ist Passion“, habe ihr Akupunkteur zum Beruf des Landarztes gesagt – auch im Landkreis hören demnächst einige Mediziner auf.

Die Vorsitzende der Kreis-CSU, Mutter von zwei Kindern, verweist im Superwahljahr auf Gegenmaßnahmen der Landesregierung, in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung: Medizinstudenten erhielten ab dem dritten Studienjahr 300 Euro monatlich über vier Jahre hinweg als Anreiz, danach über fünf Jahre hinweg im unterversorgten ländlichen Raum zu arbeiten: „Auch der Landkreis fällt in die Förderkulisse.“

Dazu kommt ein Kommunalbüro im Landesamt für Gesundheit sowie eine gezielte Förderung von Landarztpraxen, mit einer Finanzspritze von bis zu 60 000 Euro. Auf Bundesebene gibt es seit 2012 das „Landärztegesetz“, das mehr Spielraum bei Honoraren und Kassenarztsitzen vorsieht und den speziellen Anforderungen von Ärztinnen entgegenkommt, etwa durch Teilzeitarbeit. Außerdem besteht eine eigene Arbeitsgruppe der Koalition. Ansonsten sollten junge Leute das Schöne an dem Beruf entdecken: „Da gibt es doch diese Sendung im Fernsehen“ – Weisgerber spielt auf die ZDF-Serie „Der Landarzt“ mit Wayne Carpendale an (die demnächst allerdings abgesetzt werden soll).

Nicht von Noten abhängig machen

Die Schwebheimerin plädiert für eine weitere Erleichterung der wechselseitigen Anerkennung, sowie des Austauschs bei medizinischen Berufen innerhalb der EU. „Sinnvoll“, so die Parlamentarierin, wäre es auch, eine Zulassung zum Medizinstudium nicht mehr von der Abi-Note abhängig zu machen: eine Reform, die erst nach der Bundestagswahl erwartet wird.

Hier herrscht vor allem bei Willi Gößmann Unverständnis: „Auch die mit 3,5 können gute Ärzte werden“, findet der Niederwerrner, vielleicht sogar bessere. Weisgerber wiederum kritisiert Pläne der EU-Kommission, Krankenschwestern eine Schulbildung von zwölf Jahren vorzuschreiben. Bei einem Besuch der Krankenpflegeschule des Bezirks in Werneck hätten von zwanzig Schülern zwei oder drei Abitur gehabt. Bei höheren Ansprüchen an Pflegeberufe rechnet Weisgerber mit einer entsprechenden Unterdeckung und Weiterwanderung der Qualifizierten Richtung Medizinstudium. Es drohten dann Vernachlässigung der Basispflege, ein Ausschluss motivierter Realschüler und „englische Verhältnisse“, mit bloßen Pflegeassistenten am Krankenbett. Weisgerbers Forderung: „Kein Antasten der deutschen Krankenschwestern.“

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