Der Sieg der Anja Weisgerber

Schweinfurter Tagblatt

EU-Richtlinie zum Strahlenschutz bereinigt
BRÜSSEL (DR) Am Anfang stand sie "allein auf weiter Flur", wie einer ihrer Kritiker aus der Anfangszeit es heute ausdrückt: Anja Weisgerber, Mitte 2004 für Unterfranken frisch ins Europa-Parlament gewählt, bekam als Sozialpolitikerin gleich die unangenehmste aller Richtlinie-Entwürfe vorgelegt. Es ging um den Schutz der Arbeitnehmer vor Strahlung.
"Ein vernünftiges Vorhaben", sagt Weisgerber heute, aber "undurchdacht ausgeführt". Denn die Autoren hatten auch die natürliche Strahlung aufgenommen und wollten die Beschäftigten nun auch vor der Sonne schützen. Weisgerber argumentierte und überlegte, legte sich mit dem Bundesumweltministerium an und schaffte es, zunächst die eigene Fraktion im Europa-Parlament, dann den entscheidenden Ausschuss umzustimmen. In der Endfassung, die bald beschlossen wird, wurde der Schutz vor Sonnenstrahlung herabgestuft, die Mitgliedsstaaten sollten sich darum kümmern.
Jetzt aber schaffte sie den Sieg auf der ganzen Linie: Das Kapitel "natürliche Strahlung" wird komplett aus der Richtlinie herausgenommen. Und die CSU-Politikerin "freut sich einfach nur", weil deutlich geworden ist, "wie viel Macht wir als Parlamentarier doch haben". Die will sie jetzt nutzen. Ihre nächsten Projekte warten schon: die neue Chemikalien-Verordnung, die Arbeitszeit-Richtlinie - es gibt viel zu reparieren.

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