Die Weichen stellt Brüssel

Der Bote vom Untermain

Anja Weisgerber informiert sich bei Josera über Bürokratie-Probleme
Kreis Miltenberg. Wenn in Brüssel die Richtlinien und Gesetze für das große Europa beschlossen sind, beginnen die Probleme im Kleinen. So kämpft die Kleinheubacher Firma Josera um die Anerkennung von Mineralfutter im EU-Rechtssystem. In der Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber hoffen Josera-Geschäftsführer Otto Appel und Burkhard Erbacher jetzt eine Mitstreiterin gefunden zu haben.

Für die unterfränkische Europaabgeordnete war es der offizielle Antrittsbesuch im Landkreis Miltenberg. Landrat Roland Schwing hatte deshalb gestern als Gastgeber für ein Programm gesorgt, das der Rechtsanwältin genügend Hausaufgaben für Straßburg und Brüssel bescherte.


Für das Kleinheubacher Unternehmen Josera-Erbacher ist Anja Weisgerber als Mitglied des Ausschusses für Umwelt und Nahrungsmittelsicherheit sozusagen direkt zuständig. Die vorgetragenen Sorgen mit der schwerfälligen Brüsseler Bürokratie beeindruckten die Abgeordnete sichtlich.

So konnten Appel und sein Einkaufsleiter Andreas Marquart glaubhaft machen, dass Mineralfutter im Vergleich mit Mischfutter viele, vor allem umweltpolitische Vorteile hat. In den Josera-Produkten stecken Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß, die von Landwirten dem selbst erzeugten Getreide zugesetzt werden können.

»Intelligente Alternative«
Auf die Höfe transportiert werden müssen damit nur jene drei bis vier Prozent Zusatzstoffe, die die hofeigenen Futterstoffe ergänzen. Beim Mischfutter dagegen wird das Getreide erst vom Hof zum Futtermittelhersteller transportiert und anschließend - fertig gemischt - wieder zurück. Als »intelligente Alternative«, so Burkhard Erbacher, sei Mineralfutter in vielen europäischen Ländern völlig unbekannt: »Wir müssen deshalb aufpassen, dass wir nicht unter die Räder kommen.« Ähnliche Probleme, sich mit einen intelligenten Produkt im Markt zu behaupten, hat das Unternehmen bei den so genannten Chelaten; das sind organisch gebundene Spurenelemente. Mit ihnen können lebensnotwendige Stoffe wie Kupfer, Zink, Eisen oder Mangan in deutlich geringeren Konzentrationen als bisher üblich dem Tierfutter zugesetzt werden.

»Entscheidend ist was hinten rauskommt?«, brachte Otto Appel den Vorteil der Chelate auf den Punkt. Da die Tiere nicht genutzte Spurenelemente wieder ausscheiden, sei bei geringerer Dosierung auch die Belastung der Gülle mit Kupfer oder Zink deutlich niedriger. Seit drei Jahren hat Josera diese Chelate im Einsatz und kann über begleitende Untersuchungen nicht nur die Vorteile für die Umwelt, sondern auch bessere Werte bei der Tiergesundheit belegen.

»Das heißt, die derzeitigen Grenzwerte für den Einsatz von Spurenelementen im Tierfutter sind zu hoch«, brachte Dr. Martin Wörner, Leiter des Josera-Labors, die EU zurück ins Spiel. Den Ball nahm Anja Weisgerber dankbar auf: »Wir brauchen solche Rückkopplungen aus der Praxis in den europäischen Regionen.« Die Abgeordnete sicherte zu, die Anliegen mit ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen.

Im Landratsamt Miltenberg hatten Abteilungsleiter der Kreisverwaltung die Abgeordnete ebenfalls mit Problemen und Auswirkungen der EU-Gesetzgebung konfrontiert: Europawahl, Gesundheitswesen, Lebensmittelüberwachung, Umweltrecht und Ausschreibung öffentlicher Aufträge sind die Themen, die in der Ausführung Schwierigkeiten bereiten. Auch hier sicherte Weisgerber zu, sich als selbst ernannte »Anwältin der Region« nach Kräften für eine Entbürokratisierung einzusetzen.

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