EU billigt Gift in Solarzellen

www.nachhaltigkeit.org, 05. Dezember 2010

Solarzellen dürfen in Zukunft das giftige Schwermetall Cadmium enthalten. Doch die Mehrheitsentscheidung des EU-Parlaments bleibt umstritten, ging ihr doch ein monatelanger Streit innerhalb der Solarbranche voraus. Die Kritik richtet sich auf die Umweltbelastung bei der Entsorgung.

Solarzellen dürfen nach dem Willen des EU-Parlaments in Zukunft das giftige Schwermetall Cadmium enthalten. Die Europaabgeordneten sprachen sich während ihrer laufenden Plenartagung in Straßburg mehrheitlich für eine entsprechende Regelung aus. In anderen technischen Geräten hingegen ist der Giftstoff verboten.

Brancheninterner Streit

Nicht alle Abgeordneten waren mit der Mehrheitsentscheidung zufrieden: „Für Solarzellen wird hier ein Reservat errichtet, das ist nicht nachvollziehbar. Auch Solarzellen werden entsorgt, das enthaltene Cadmium kann die Umwelt belasten“, kritisierte beispielsweise der FDP-Parlamentarier Holger Krahmer. „Hier hat eine Lobby erfolgreich die eigenen Interessen durchgesetzt.”

Der Abstimmung war ein monatelanger Streit innerhalb der Solarbranche vorausgegangen. Dabei hatten sich die Hersteller cadmiumfreier Solarzellen für ein Verbot der schwermetallhaltigen und vergleichsweise billigen Konkurrenzprodukte stark gemacht. Die Unternehmen, deren Photovoltaikprodukte das umstrittene Cadmiumtellurid enthalten, hatten immer wieder darauf verwiesen, dass das als krebserregend geltende Schwermetall in dieser Verbindung keine Gefahr für Mensch und Umwelt bedeute und zudem spezielle Recyclingsysteme eingerichtet seien.

Auch Jutta Haug, Abgeordnete der SPD, war nach der Abstimmung über die so genannte „Richtlinie zur Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten“ nicht völlig zufrieden. Sie nannte die die Sondergenehmigung für Cadmium in Photovoltaikmodulen inakzeptabel. „Ein Sektor wie die Solarenergie, der umwelt¬politischen Modellcharakter haben sollte, zieht sich hier aus der Verantwortung“, so die Parlamentarierin. „Das wird nicht nur der Glaubwürdigkeit der Branche schaden, sondern setzt auch international ein falsches Signal.“

Bald in ganz Europa gültig

Die CDU-Abgeordnete Anja Weisgerber hingegen verteidigte die Ausnahmeregelung für das Schwermetall in Anlagen zur Verwendung erneuerbarer Energien: Alles andere wäre kontraproduktiv gewesen, so Weisgerber. Für Technologien, die durch Fachpersonal abgebaut und entsorgt würden, brauche man weniger strenge Schutzstandards als für normale Haushaltsgeräte, die ebenfalls unter die neuen Vorschriften fallen, aber kein Cadmium enthalten dürfen.

Mit der Parlamentsvotum ist der entscheidende Schritt in einem hoch umstrittenen Gesetzgebungsprozess vollzogen: Es gilt als sicher, dass sich die 27 EU-Staaten im Dezember mehrheitlich und offiziell der Position des EU-Abgeordnetenhauses anschließen werden. Damit würde die Regelung in ganz Europa gültig.

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