EU reformiert Zuckermarkt

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Agrarminister beschließen geringere Preissenkung und mehr Verlustausgleich
BRÜSSEl (AFP/AUG) Der EU-Zuckermarkt steht vor einer umfassenden Reform. Nach drei Tagen schwieriger Verhandlungen sei es gelungen, einen radikalen Umbau der EU-Vorschriften zu vereinbaren, sagte die britische Landwirtschaftsministerin und Ratsvorsitzende Margaret Beckett am Donnerstag in Brüssel.
Nach Ansicht der EU-Agrarminister sichert die Reform die Zukunft der europäischen Zuckerbranche. 1m Mittelpunkt steht eine Senkung des Marktpreises von 631,90 Euro je Tonne Weißzucker um 36 Prozent. Einkommensverluste der Bauern werden zu 64,2 Prozent ersetzt.
Eine Änderung der nahezu 40 Jahre alten Zuckervorschriften sei historisch, sagte Beckett. Mit der Verabschiedung der Reform mit einer überwältigenden Mehrheit der Mitgliedstaaten habe der Ministerrat bewiesen, dass er schwierige Entscheidungen treffen könne.
Indes wies die Schweinfurter Europaabgeordnete Anja Weisgerber erneut darauf hin, dass es sich bei den gestern präsentierten Zahlen nur um eine vorläufige Entscheidung handle. Das Europaparlament müsse erst noch darüber beraten, was am 17. Januar geschehe. Das Gremium habe zwar in dieser Sache kein Entscheidungsrecht, müsse aber gehört werden. Weisgerber geht davon aus, dass der gestern getroffene Kompromiss rein taktische Hintergründe habe. Fischer Boel brauche etwas, was sie bei der in Kürze beginnenden Hongkong-Runde der Welthandelsorganisation WTO vorlegen könne.
Fischer Boel verwies gestern auf die Notwendigkeit für die Reform" nachdem die EU bei der WTO das Schiedsverfahren im Zuckerstreit verloren habe. Zudem stehe die EU vor einer Zunahme der Einfuhren aus den als AKP-Staaten bezeichneten Ländern Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums. Dies gelte insbesondere ab dem Jahr 2009, wenn die bestehenden Mengenbegrenzungen fielen. Die Marktordnung für Zucker ist die letzte große Reform der vor zehn Jahren begonnenen Neuordnung der EU-Agrarpolitik. Zunächst war vorgeschlagen worden, den Marktpreis sogar um 39 Prozent zu senken und die Einkommensausfälle nur Zu 60 Prozent zu ersetzen. Die geplanten Beihilfen für Zuckerrüben-Betriebe und Zuckerfabriken, die schließen müssen, sollen wieder von den EU-Verbrauchern bezahlt werden. So werden die Verbraucherpreise langsamer gesenkt als die den Erzeugern gezahlten Preise. Mit der Preisdifferenzsoll ein Fonds finanziert werden, der die Beihilfen auszahlen soll.

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