Klimawandel ist Realität

Neue Presse Coburg

BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger war zu Gast
Die junge Union (JU) Unterfranken und der Arbeitskreis Umwelt der JU-Bayern tagte am vergangenen Wochenende in Augsfeld im Hotel "Goger" (wir berichteten) und kamen dabei zum einhelligen Ergebnis, dass die Umweltpolitik einen höheren Stellenwert in der Union haben müsse, so die Organisatoren der Tagung, JU-Umweltpolitikerin Anja Weisgerber (Schwebheim) und JU-Bezirksvorsitzender Steffen Vogel (Marolsweisach) in ihrem Resümee.
Augsfeld: Auch eine Besichtigung des "Ökodorfs" Altershausen unter Führung vom 2. Bürgermeister der Stadt Königsberg, Erwin Pfeil, und Herrn Eisentraut von der Direktion für ländliche Entwicklung stand an. Neben der Biomasseanlage wurde von den JU`lern noch das Gebäude der Firma Benkert, die Ökosiedlung und die Wurzelraum-Schilfkläranlage unter die Lupe genommen. Erwin Pfeil erläuterte die Situation in Altershausen, anhand derer deutlich wurde, wie unausgegoren die Umweltpolitik der rot-grünen Regierung sei. So wurden die Grenzwerte für den Betrieb von Biomasseanlage derart reduziert, dass die Altershäuser zum Beispiel im kommenden Jahr kein Stroh mehr verbrennen dürfen. Die Nachrüstung sei nicht finanzierbar. Folge wird sein, dass die Landwirte nun ihr Stroh teilweise wieder auf den Feldern verbrennen, und damit Kohlenmonoxid direkt in die Atmosphäre blasen werden "Wo ist das bitte umweltfreundlich?" fragte Pfeil. Der 2. Bürgermeister informierte weiter, dass zurzeit eine Biogasanlage im Bau sei, mit der man die Biomasseanlage im Sommer abschalten wolle. Allerdings gebe es Schwierigkeiten mit der Bezuschussung. Anja Weisgerber lobte ausdrücklich den tollen Einsatz und den Idealismus der Altershäuser in Sachen Umwelt. Sie sicherte zu, sich der Sache mit der Bezuschussung anzunehmen und im Umweltministerium vorzusprechen. Am Nachmittag widmete man sich dann der Umweltpolitik im Landkreis Hassberge. Landrat Handwerker stellte vorsorglich klar, dass Umweltpolitik nicht in Oberbayern, sondern in Unterfranken und da speziell im Landkreis Haßberge stattfinde. Während bayernweit elf Prozent der Flächen FFH-Gebiete sind, sind es im Landkreis ganze 16 Prozent. Handwerker zählte weiter den Vertragsumweltschutz, das Umweltbildungszentrum, oder Life-Nature-Projekt "Mainauen" auf, dass die JU`ler im Rahmen einer Exkursion zum großen Wörth und zum Sichelsee durch die Diplombiologen Otto Elsner und Dietmar Will, sowie den Referatsleiter im Landratsamt Dr. Gerhard Weinmann näher gebracht bekamen. Vor Ort erläuterte Will, dass das 1100 Hektar umfassende Projektgebiet zum einen dem Vogelschutz und zum anderen der Naherholung dienen solle. Insgesamt seien bisher 184 Vogelarten im Projektgebiet nachgewiesen worden, von denen allein 29 in der EU-Vogelschutzrichtlinie als bedrohte Arten aufgeführt sind. Der Biologe Elsner erläuterte, dass mit dem Geld Ackerland gekauft und zu extensiven Grünland umgewandelt würde. Weiter würden die Ufer der zahlreichen Baggerseen neu gestaltet und Flachwasserbereiche für Watvögel angelegt werden.
In diesem Zusammenhang betrachtete Steffen Vogel die 1,85 Millionen Euro nicht als hinausgeworfenes Geld, sondern als Förderung der heimischen Betriebe, mit denen sämtliche Maßnahmen durchgeführt wurden. Mit den hohen Fördergeldern aus Brüssel und München von zirka 1,5 Millionen Euro würden so lokale Arbeitsplätze gesichert werden, so der Kreisrat.
Als besonderer Diskussionspartner stand der Vorsitzende des Bund Naturschutz Bayern, Prof. Dr. Hubert Weiger dem CSU-Nachwuchs Rede und Antwort. Bei dem zweistündigen Gespräch wurde deutlich, dass sie Positionen des Bund Naturschutz und die der Jungen Union sich weitgehend decken. Einzig die Frage der Nutzung der Kernenergie wurde unterschiedlich bewertet, da der Bund Naturschutz den Sofortausstieg propagiere. Trotzdem dankte Weiger ausdrücklich der Jungen Union (JU) für die Organisation der Tagung und dafür, dass sich der Parteinachwuchs mit Fragen der Umwelt auseinander setze.
Leider drehe sich zurzeit in der Öffentlichkeit alles um Wirtschaft und Arbeit. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Ökologie und die Sicherung der Lebensgrundlagen die Basis alle Lebens ist. Anhand des Flutsommers 2002 und des Hitzesommers 2003 zeige sich deutlich, dass der Klimawandel Realität sei. Uran, Erdöl und Erdgas würden früher oder später versiegen, so dass es dringend notwendig sei, regenerative Energien zu fördern. Dabei wandte sich Weiger gegen die Privilegierung der Windkraft. Windkraft sollte dort genutzt werden, wo auch Wind ist, und nicht überall die Landschaft verspargeln, so der Bund-Naturschutz-Vorsitzende. Auch er sieht den Hauptansatz in einer Steigerung der Energieeffizenz. Abschließend forderte Prof. Weiger die JU`ler auf, die Umweltpolitik in der Union voranzutreiben, da die Unionsparteien Nachholbedarf in der Darstellung ihrer Umweltpolitik haben. So habe die Union seit Klaus Töpfer keinen bundesweit bekannten Umweltpolitiker mehr hervorgebracht, stellte Weiger nüchtern fest.

23. - 27.11.2020
Sitzungswoche des Deutschen Bundestages in Berlin
27.11.2020
Videokonferenz FU Landesvorstand Bayern

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