Krankheit ist nicht einmal genau definiert

Neue Presse, 10. Dezember 2009

Die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber hat ihr Versprechen eingelöst und die Bundesvorsitzende des Borreliose- und FSME-Bundes Deutschland e. V. (BFBD), Ute Fischer, und das Vorstandsmitglied Manfred Wolff aus Steinsfeld nach Brüssel eingeladen. Ihr ist auch ein Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler zu verdanken.

Da Anja Weisgerber verschiedene Gesprächspartner vermittelt hatte, konnten Manfred Wolff und Ute Fischer auf europäischer Ebene im Namen einer der größten europäischen Patientenorganisationen für Borreliose mit 1000 Mitgliedern und im Auftrag weiterer europäischer Patientenorganisationen Aufmerksamkeit für das Thema Borreliose erzeugen. Sie überbrachten vier Forderungen: die Entfernung der Borreliose aus dem europäischen Register Orphanet für seltene Krankheiten, eine Standardisierung der Labortests, eine europaweite Meldepflicht und die Prüfung der Unabhängigkeit der Organisation EUCALB (Europaweit abgestimmte Aktivitäten betreffend Borreliose).

Manfred Wolff und Ute Fischer waren begeistert von dem Erfolg ihrer Gespräche, vor allem mit Eduardo Fernandez-Zincke, Kabinettsmitglied der bisherigen EU-Kommissarin für Gesundheit. Er hatte mitgeteilt, dass es bereits eine europaweite Meldepflicht für Borreliose gebe. Die Umsetzung der europäischen Meldepflicht bedeute jedoch, so Ute Fischer, dass Borreliose aufgrund der zu erwartenden, hohen Zahlen an jährlichen Neuerkrankungen auf EU-Ebene nicht mehr als seltene Krankheit geführt werden dürfe.

Eduardo Fernandez-Zincke hatte weiter berichtet, dass die EU-Gesundheitskommission die Probleme mit der Borreliose anpacken werde. "Wir haben entdeckt, dass es keine einheitlichen Tests gibt und nicht einmal die Krankheit genau definiert ist. Daraus leitet sich für uns ein Handlungsauftrag ab", sagte er. Die EU-Kommission werde im kommenden Jahr aktiv.



Anfrage gestartet


Nachdem Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler gerade an diesem Abend im EU-Parlament einen Empfang für deutsche EU-Abgeordnete gab, nutzte Anja Weisgerber die Gunst der Stunde und stellte ihm ihre Gäste vor. Sie sagte zu ihm: "Ich freue mich, dass dem wichtigen Thema Borreliose jetzt auch durch meine schriftliche Anfrage an die Kommission auf europäischer Ebene die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird." Im Bundesgesundheitsministerium gebe es aber offensichtlich eine bestimmte, destruktive Meinung, die nicht aktualisiert und damit revidiert werde.

Manfred Wolff und Ute Fischer teilten dem Minister mit, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Nationale Referenzzentrum für Borreliose (NRZ) in Deutschland meinungsbildend seien, jedoch mit veralteten Zahlen arbeiteten. Dr. Rösler zeigte sich gerne bereit, die Forderungen des BFBD durchzulesen und bat um eine schriftliche Zusendung der Unterlagen.

Anja Weisgerber vermittelte auch noch Gespräche mit weiteren Anwesenden. So mit Irene Wittmann-Stahl, die das Referat Gesundheit bei der Ständigen Vertretung der Bundesregierung Deutschland bei der Europäischen Union Brüssel leitet. Ihr berichteten Manfred Wolff und Ute Fischer, dass das RKI und das NRZ "gegen die Borreliose-Patienten arbeiten" und die aktuellen Zahlen der Krankenkassen in Deutschland davon zeugten, dass Borreliose weit verbreiteter sei, als die beiden Institute zugäben. Auch die Abteilung 3 im Bundesgesundheitsministerium arbeite mit "antiquiertem Wissen". Wittmann-Stahl nahm diese Informationen zur Kenntnis und versprach sie weiterzugeben.

Ein weiteres Gespräch fand mit dem EU-Abgeordneten und Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei EVP im wichtigen Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Dr. med. Peter Liese, statt.



Bitte um Unterstützung


Zuletzt konnten Manfred Wolff und Ute Fischer den verbeamteten Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Stefan Kapferer, als oberstem Dienstherr aller Referate und insbesondere der übergeordneten Abteilung 3 ihre Probleme vortragen und um Unterstützung bitten.

Bereits am Morgen hatten sie in der Vertretung des Freistaates Bayern bei der Europäischen Union mit der Gesundheitsreferentin Nadja Heberer von der Bayerischen Staatskanzlei gesprochen. Diese hatte Manfred Wolff und Ute Fischer gebeten, ihre Sicht der Dinge und ihre Forderungen zur weiteren Prüfung schriftlich mitzuteilen.

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