Kreis fällt mit Leader durch

Fränkischer Tag, 14. Dezember 2007

Programm Die zahlreichen Projekte, die Landrat Rudolf Handwerker und seine Mitstreiter mit Hilfe der EU-Förderung umsetzen wollten, fanden keine Berücksichtigung. Eine neue Chance winkt.

Jochen Bopp Haßfurt Der Schock sitzt tief. Am späten Mittwochnachmittag erreichte Landrat Rudolf Handwerker aus München die Nachricht, dass der Landkreis Haßberge mit seiner Bewerbung für eine europäische Leader-Förderung (Förderperiode 2007 bis 2013) erst einmal durchgefallen ist. Die Entscheidung traf ein siebenköpfiges, unabhängiges Expertengremium im Auftrag des bayerischen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten.
Wie in anderen Regionen auch hatte sich im Landkreis Haßberge eine Lokale Aktionsgruppe (LAG) als Verein unter Vorsitz von Landrat Handwerker gebildet, die ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) mit zahlreichen integrativen Projekten erstellt und mit Hilfe des geografischen Instituts der Uni Würzburg konzipiert hat. Die meisten Kommunalpolitiker des Landkreises, allen voran Handwerker, waren fest überzeugt, schon in der ersten Auswahlrunde unter jenen 40 Gruppen beziehungsweise Regionen zu sein, die aus Bayern der EU in Brüssel zur Förderung gemeldet werden. Dem war nicht so.
Aus Unterfranken gab es sechs Bewerber, und allein die LAG Haßberge wurde abgelehnt. Die Lokalen Aktionsgruppen Schweinfurt-Land sowie Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Würzburg/Main-Spessart und Kitzingen kamen durch.
Für den Landkreis Haßberge ist der Zug aber noch nicht ganz abgefahren. Bayern kann nicht nur 40 Gebiete nach Brüssel melden, sondern 50. Insgesamt hatten sich bisher 59 für die Leader-Förderperiode gemeldet. Im Juni 2008 kommt es zu einer zweiten Auswahlrunde, für die sich der Kreis mit einem überarbeiteten REK erneut bewerben will. Die Europaabgeordnete Anja Weisgerber (Schwebheim) erklärte am Donnerstag, dass sie eine erneute Bewerbung unterstützen werde, obwohl dies eine bayerische Angelegenheit ist.Zahlreiche Vorhaben Über Leader fließen enorm viele europäische Fördergelder in schwächere Regionen. Das für den Landkreis in der LAG von über 200 engagierten Bürgern erarbeitete Entwicklungskonzept, das von einem Management „in Form“ gebracht wurde, beinhaltet unter anderem Projekte wie den „Deutschen Burgenwinkel“ (sogar übergreifend zu Thüringen), das Burgenmuseum Altenstein, umweltschonende Freizeitnutzung von Seen und Flüssen, Kunst am Main („WasserART“), den Schlossgarten in Oberschwappach, den Weintourismus, Fahrrad- und Wanderwege, ein Dokumentationszentrum zur Hexenverfolgung in Zeil, einen Europäischen Park am Schulzentrum in Haßfurt, einen Jugendbauernhof für nicht am Arbeitsmarkt vermittelbare Jugendliche, ein Modellkonzept für einen Kraft-Wärme-Verbund in Ebern, Kulturland-schaftspflege, die Vernetzung von Bibliotheken und viele andere funktionale und strukturelle Aufwertungen vorhandener Einrichtungen.
Landrat Handwerker äußerte sich gestern „maßlos enttäuscht“ über die Ablehnung. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand soll das Scheitern des Antrags vornehmlich auf zwei Gründe zurückzuführen sein: Einerseits sollen es gewisse formale Kriterien gewesen sein, andererseits vermisste die Kommission offenbar die Bestimmung eines zentralen Ziels für die vorgeschlagenen Projekte. „Es ist aber gerade die große Vielfalt unseres Raumes, die die Ausrichtung unseres Antrags widerspiegelt“, sagte Rudolf Handwerker.
Die Denkansätze seien authentisch, da sie sich in der LAG von unten nach oben entwickelt hätten. Nicht nur der Landkreis Haßberge, auch der angrenzende Coburger Bereich mit der Rodach-Initiative sei nicht in die Leader-Kulisse aufgenommen worden, und „das ist gerade im Blickpunkt auf das Kooperationsprojekt Burgenwinkel sehr unglücklich für den nördlichen, strukturschwachen Raum der gesamten Region“, sagte Landrat Handwerker.
Nächste Auswahlrunde im Juni Bei der nächsten Auswahlrunde im Juni 2008 will man auf jeden Fall wieder dabei sein. „Wir werden trotz der unverständlichen Entscheidung nicht aufgeben“, erklärte der Landrat gestern. Selbst wenn es der Kreis im Juni schaffen sollte, ein Nachteil bleibt: Während andere schon damit beginnen können, EU-Gelder anzufordern, ist der Landkreis Haßberge ein gutes halbes Jahr hinten dran.

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