Neuer Vogelbeobachtungsturm lässt Blicke auf die Natur im Maintal zu

swex, 29. April 2008

Eltmann - „So a Aufwand für so a klans Dürmle!" Was ein Beobachter der Zeremonie kundtat, war nicht unbedingt repräsentativ. Zahlreiche hochranginge Politiker wohnten bei Eltmanns Ortsteil Dippach am Dienstagvormittag der Einweihung des zweiten Vogelbeobachtungsturmes in den Mainauen bei. Das LIFE-Natur-Projekt zwischen Haßfurt und eben Eltmann hat dabei auf einer weiteren im Sinne des Naturschutzes umgestalteten Fläche einen Anziehungspunkt bekommen. „Leuchtturmprojekt" nannte Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die Mainauen. Was irgendwie dann doch besser passte als der fränkische Begriff „Dürmle".

Nicht gepasst freilich hat das Schuhwerk von Dorothee Bär. Die Bundestagsabgeordnete aus dem nahen Ebelsbach kam mit hohen Absätzen auf das sandige und erdige Areal. „Wenn es aufblüht, dann wird es bald toll ausschauen", verspricht Beinhofer. „Es wird unsere Tourismusregion noch attraktiver machen", glaubt Bär, die darauf hofft, „dass viele Schulklassen in diese Flusslandschaft kommen, dass wir die Vögel beim Brüten nicht stören und dass wir sie irgendwann auch sehen".

Bei Dippach am Altmain ist es nahe des Turmes im Hangwald Süddeutschlands größte Graureiherkolonie, die sich scheinbar heimisch und wohl fühlen. Rund 200 Brutpaare sind es. Weitere Vogelarten, Frösche oder Libellen besiedelten die neu geschaffenen Lebensräume im Maintal zwischen den beiden Türmen. Der erste am Sichelsee bei Augsfeld wurde vor genau zwei Jahren eröffnet.

Mit den Naturerlebniswegen am Hochreinsee bei Sand (2,4 Kilometer Länge mit interaktiven Spielelementen für Kinder) und dem bei Ziegelanger, der im Juli 2008 der Öffentlichkeit übergeben wird, hat das Maintal in dieser Region nun zahlreiche Erlebnisstellen bekommen. „Eigenes Erleben sensibilisiert mehr", weiß Anja Weisgerber, die den Kindern und Enkeln die Natur nicht nur mit Lehrbüchern nahebringen will. „Und dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie europäische Fördermittel eingesetzt werden können", so die Schwebheimer Europaabgeordnete.

Die Hälfte der 1,9 Millionen Euro für die gesamten 1100 Hektar der Mainaue zwischen Haßfurt und Eltmann steuerte die EU bei. Um sieben Hektar ging es bei der Einweihung am Dienstag. Neu angelegte Biotopflächen auf den einstigen Ackerflächen des Main-Überschwemmungsgebietes machten im Zusammenspiel das LIFE-Natur-Team des Landratsamtes Haßberge, das Wasserstraßenneubauamt Aschaffenburg, das Staatliche Bauamt Schweinfutr und die Papierfabrik Palm neu erlebbar. Letztere Firma durch eine Spende von ca. 40.000 Euro für den Vogelbeobachtungsturm. „Fasziniert von der Idee" unterstützte Dr. Wolfgang Palm das Projekt. „Man hat dort viel für den Naturschutz übrig. Gut, dass nicht nur die beteiligten Kommunen hinter diesem europaweit bedeutsamen Vogelschutzgebiet stehen", freut sich Landrat Rudolf Handwerker, der den neuen Turm als „östliches Wahrzeichen" bezeichnete. Ausgleichsflächen für anderweitige Baumaßnahmen würden in den Mainauen den allgemeinen Zuspruch finden. „Gescheites, Sinnvolles und Nützliches" sei geschaffen worden. so Dr. Beinhofer.

Ca. 2,5 Hektar Ackerfläche wurden im neuen Abschnitt mit erheblichen Erdbewegungen durch Oberbodenabtrag und anschließender Heublumeneinsaat zu Stromtalwiesen und Sandmagerrasen umgestaltet. Ein neues Altwasser entstand, ausgedehnte Schilfzonen und extensiv genutztes Grünland, in das der Frühling freilich erst noch einziehen muss. Enten und Gänse werden in den neu geschaffenen Lebensräumen erwartet, vielleicht sogar die Rückkehr des Storches. „Je vielfältiger sich die Naturausstattung präsentiert", weiß Dr. Paul Beinhofer, „desto größer ist auch die Chance, auf veränderte Umweltbedingungen wie den Klimawandel zu reagieren." 50 Prozent der heimischen Tier- und Planzenarten stünden aber noch immer auf einer Roten Liste.

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