Schnapsbrenner können erst mal aufatmen

Main Post, 07. Dezember 2010

Das Europäische Parlament in Straßburg hat mit großer Mehrheit in Straßburg der Verlängerung des Branntweinmonopols zugestimmt. Rund 2500 unterfränkische Obstbrennereien können durch die Verlängerung bis 2017 erst einmal aufatmen, freut sich die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber (Schweinfurt). Die Förderung für landwirtschaftliche Kartoffel- und Getreidebrennereien wird bis 2013 verlängert.

Ein wichtiger Erfolg für die Brennereien in Unterfranken, seine Kulturlandschaft und sein Landschaftsbild, schreibt Weisgerber in einer Pressemitteilung. Dafür habe sie „als Anwältin ihrer Heimatregion“ gekämpft. Die Übergangsregelung sei für kleine und mittelständische Brennereien wichtig, um sich auf den veränderten Markt einzustellen. Nur so könnten die Brennereien die Wirtschaftskraft in ländlichen Regionen stärken und den Landwirten erschließe sich eine weitere Einnahmequelle, so Weisgerber.

Statt für ihre Steuerschuld den Geldbeutel zu bemühen, geben Kleinbrennereien einen Teil ihrer Alkoholausbeute, die qualitativ minderwertigen Vor- und Nachläufe, an den Staat ab. Dafür bekommen sie ein Übernahmegeld, eine Art Aufwandsentschädigung, die bei etwa drei Euro pro Liter liegt. Die deutsche Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) mit Sitz in Offenbach lässt den Alkohol reinigen und verkauft ihn weiter, zum Beispiel an Kosmetikhersteller und Pharmakonzerne. Für den gereinigten Alkohol erhält das Amt, das rund 230 Menschen beschäftigt, deutlich niedrigere Erlöse als die Aufwandsentschädigung für die Hersteller beträgt. Die staatseigene Schnapswaschanlage kostet den Steuerzahler so rund 80 Millionen Euro pro Jahr, kritisiert Reiner Holznagel, Geschäftsführer beim Bund der Steuerzahler.

Übernahmegeld als Zubrot

Die Inhaber der Brennereirechte sehen das aus einem anderen Blickwinkel, schließlich ist das Übernahmegeld und der Verkauf der hochprozentigen Produkte für manchen landwirtschaftlichen Betrieb ein willkommenes Zubrot. Als die Europäische Kommission verkündete, sie wolle den Hahn Ende dieses Jahres zudrehen, war der Aufschrei der Empörung groß. Und zog eine Welle der Berichterstattung nach sich, so den Beitrag im Magazin „quer“ des Bayerischen Fernsehens vom 21. Juli unter dem Titel: „Fränkische Obstbrenner vor dem Aus“.

Dass es nun anders kam, liegt an der Einsicht, die Zahl der Streuobstwiesen werde zurückgehen, wenn das Monopol fällt; weil sich die Plackerei der Obsternte nicht mehr lohnt, die Bäume nicht mehr gepflegt werden und einfach umfallen, wenn sie in die Jahre gekommen sind. So werde eine uralte Kulturlandschaft mit wertvollen Tier- und Pflanzenarten gefährdet, argumentierten Naturschutzverbände Seit' an Seit' mit dem Verband der Deutschen Klein- und Obstbrenner.

(...)

Das Ergebnis der Kampagne kann sich sehen lassen. Die Kleinbrenner bekommen eine Galgenfrist und können zunächst einmal feiern – vermutlich mit Hochprozentigem. Danach müssen sie sich Gedanken machen, wie es in sieben Jahren weitergeht.

Den vollen Artikel erhalten Sie unter: www.mainpost.de

27.01.2019
Neujahrsempfang der CSU Schweinfurt-Land mit Monika Hohlmeier in Schwebheim
28.01. - 01.02.2019
Sitzungswoche im Deutschen Bundestag in Berlin

Politik in Bildern