Spaß mit sexy Frauen und nützliche Arbeit vor Ort

Schweinfurter Tagblatt

Junge Union prämiert die Ideen ihrer Kreisverbände

Würzburg: Irgendwo in den Haßbergen, an der B 303, liegt das Örtchen Gemeinfeld. Das 220-Seelen-Nest ist ein Alptraum für Sozialdemokraten. Dort gibt es neben der Pfarrgemeinde und der Feuerwehr den Sportverein Gemeinfeld, den Obst- und Gartenbauverein und ein Fünftel der Gemeinfelder ist Mitglied der CSU-Nachwuchsorganisation. Warum nur?
Kulturspeicher in Würzburg, Freitagabend. Über 200 junge Leute, generationen-untypisch viele im Anzug und Abendrobe, aber auch welche mit langen Schnittlauch-Haaren und Irokesenschnitt. Auf zwei großen Leinwänden jubeln Fans dem Popstar Robbie Williams zu. Hier rockt die Junge Union (JU). Ihr unterfränkischer Bezirksverband hat zur „JUventus-Preisverleihung“ geladen. Abgeordnete und Funktionäre rühmen und preisen besonders tüchtige Orts- und Kreisverbände.
In der Kategorie „Party und Fun“ erfährt man, wie sich die JU Gemeinfeld stark macht. Der Ortsverband organisiert alle Jahre ein Kleinfeld-Fußballturnier mit 24 Mannschaften und eine „Plattenparty“. Das Veranstaltungsplakat lockt mit einer Bikini-Schönheit und verspricht auch sonst viel: „Jetzt wird`s schmutzig“. So was zieht: 1000 Gäste kamen 2004.
Auftritt im proppenvollen Foyer des Kulturspeichers: Steffen Vogel spricht. Der JU-Bezirksvorsitzende schwärmt von seinem Verband: 2780 Mitglieder, 121 Ortsverbände, zwölf Kreisverbände; 30 Kreisräte, eine Bundestagsabgeordnete (Dorothee Mantel, Haßberge) und eine Europaabgeordnete (Dr. Anja Weisgerber, Schweinfurt). Vogel versucht, über die Preisverleihung gute Ideen unter die Mitglieder zu streuen.
Sex, so scheint es, ist eine gute Idee. In der Kategorie „Jubiläums-Veranstaltung“ siegten die Kreisverbände Schweinfurt-Stadt und Schweinfurt-Land. Die hatten zu ihrer 50-Jahr-Feier einen Käfig aufgestellt, in dem halbnackte Frauen tanzten. Vielleicht liegt`s daran, dass die JU für junge Männer besonders interessant ist. Ihr Anteil an den Mitgliedern liegt deutlich über 80 Prozent.
Die jungen Schwarzen fühlen sich stark, sie sind selbstbewusst und sie hauen auf die Pauke. Sie tun das, indem sie das Klischee vom konservativ-muffigen Haufen unterlaufen: Der Kreisverband Main-Spessart gewinnt in der Kategorie „Mitgliederservice & Öffentlichkeitsarbeit“ mit dem schönen Spruch: „JUng ist geil!“
Die JU präsentierte sich aber nicht nur als Spaßpartei. Die Main-Spessarter obsiegten auch in der Kategorie „Inhaltliche Arbeit“. Sie hatten ein Konzept für die umstrittene Westumfahrung ausgearbeitet und sich dabei an die gesamte Strecke gewagt – anders als die Orts- und Kreisverbände der Mutterpartei, die sich immer nur mit dem Stück befassten, das ihren Wirkungskreis betraf. Auch andere JU-Ortsverbände haben sich nützlich gemacht. Die Knetzgauer etwa bieten Kindern und Jugendlichen ein Ferienprogramm an und reparieren ehrenamtlich schadhafte Geräte auf Kinderspielplätzen. Sie gewinnen in der Kategorie „Jugend und Familie“.
Manfred Weber, der JU-Landesvorsitzende, ist auch da. Er wirbt fürs Politikmachen ganz allgemein. Er spricht über Klimawandel, Arbeitsplätze, Renten, Wasserversorgung – „in der Politik wird über unsere Lebensperspektiven entschieden“. Wer sich nicht einmischt, könne sicher sein, dass er nicht gehört wird.

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