Sport wird Sache der EU

Fränkischer Tag, 18. März 2008

Reformvertrag Noch fällt Sport nicht in den Kompetenzbereich Brüssels. Das wird sich spätestens nächstes Jahr ändern.

Hanna Roth Brüssel Dass Sport und Politik sich oft ins Gehege kommen, zeigt die aktuelle Diskussion um einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking. Die EU-Sportminister sprachen sich gestern im slowenischen Brdo einstimmig dagegen aus. Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung des Treffens war das so genannte „Weißbuch Sport“. Darin schlägt die EU-Kommission Maßnahmen bezüglich der gesellschaftlichen Rolle, der wirtschaftlichen Dimension, sowie der Organisation des Sports vor. Kritik kommt vor allem von Seiten der europäischen Fußballligen. Sie fürchten, an die Leine genommen zu werden.
Dabei fällt Sport gar nicht in den Kompetenzbereich der EU – was sich jedoch im nächsten Jahr ändern wird. Der Reformvertrag schafft dafür die Grundlage. Hinzu kommt, dass der Sport zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor der Union wird. Allein im Jahr 2004 erwirtschaftete der Bereich laut einer Studie im gesamten EU-Raum rund 407 Milliarden Euro. Rund 15 Millionen Menschen waren direkt oder indirekt darüber beschäftigt, was 5,4 Prozent der Erwerbstätigen in der EU entspricht.
Vor allem die Profi-Fußballclubs haben sich zu regelrechten Unternehmen entwickelt. „Hier geht es um viel Geld“, sagt die unterfränkische EU-Abgeordnete und sportpolitische Sprecherin der CSU-Europagruppe Anja Weisgerber. Sie fügt hinzu: „Gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen sind wichtig.“ Dies zielt vor allem auf die Frage nach den Vermarktungsrechten des Profi-Sports ab. Denn diese sind momentan alles andere als gleich in der EU.
So handeln beispielsweise spanische Vereine in Eigenregie die Fernseh-Übertragungsrechte mit den Sendern aus. Beim spanischen Spitzenclub Real Madrid kommen so jährlich bis zu 160 Millionen Euro in die Kasse. In Deutschland hingegen unterliegen die Vereine der Zentralvermarktung, die von „Es wird wohl auf einen
Kompromiss hinauslaufen.“ Anja Weisgerber der Deutschen Fußball-Liga (DFL) betrieben wird. Dabei erhält jeder Club Anteile aus dem Verkauf der Übertragungsrechte. Deutschlands Vorzeige-Verein, der FC Bayern München, nimmt so jährlich gerade einmal 25 Millionen Euro ein. Gäbe es wie in Spanien die Einzelvermarktung, könnte der Rekordmeister schätzungsweise rund 100 Millionen pro Jahr kassieren.„Ein klarer Wettbewerbsnachteil“, findet nicht nur Anja Weisgerber. Auch Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge hat sich in zahlreichen Gesprächen in Brüssel für gleiche Bedingungen in ganz Europa eingesetzt. Schließlich geht es darum, in der Champions-League konkurrenzfähig zu bleiben. Und gute Spieler sind nun einmal teuer.
„Es wird wohl auf einen Kompromiss hinauslaufen und zwar in Form eines Solidaritätsmechanismus“, sagt Anja Weisgerber, die selbst in jungen Jahren Tennis-Profi war. Das bedeutet, dass beide Vermarktungsarten beibehalten werden, das Geld jedoch gerechter verteilt wird. Gleichzeitig soll der Geldfluss transparenter werden, um Korruption zu vermeiden. Zwar werden die Vereine auch zukünftig die Gehälter ihrer Spieler frei aushandeln, doch ihre Bücher sollen sie, nach Plänen der EU, künftig offen legen.
Um einer weiteren Regulierung aus Brüssel zuvorzukommen haben sich Uefa und Fifa mit den größten Fußballclubs in einem anderen Punkt lieber selbst geeinigt. Die Verbände werden künftig die Vereine finanziell entschädigen, wenn diese ihre Spieler für Europa- und Weltmeisterschaften zur Verfügung stellen. Im Gegenzug verpflichteten sich die europäischen Clubs, alle anhängigen Klagen wegen verweigerter Entschädigungszahlungen fallen zu lassen.

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