Überlebt die Zuckerrübe die Reform?

Volkszeitung

EU-Parlamentarier Albert Deß (CSU) für schonenden Umbau der Zuckermarktordnung
Gaubüttelbrunn: Auch wenn`s um Zucker ging, das Thema der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft war alles andere als süß. Zumindest den Zuckerrübenanbauern der Region dürfte es eher wie ein Stein im Magen liegen. Auch wenn Albert Deß, der in Gaukönigshofen auf Einladung der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft sprach, trotz vieler Unwägbarkeiten ein paar Hoffnungsschimmer am Horizont sah. "Zuckermarktordnung – überlebt die Zuckerrübe die Reform?" fragte der langjährige agrarpolitische Sprecher der CSU und jetzige Europaparlamentarier und gab sich vorsichtig optimistisch, dass wirtschaftlicher Zuckerrübenanbau in Europa auch zukünftig möglich sein wird. Eine Verlängerung der noch geltenden Zuckermarktordnung bis 2008 lehnte der Oberpfälzer ab – wegen der damit verbundenen "katastrophalen Folgen", denn dann stünde möglicherweise die gesamte Marktordnung zur Disposition. Deß`Hoffnung richtete sich auf eine Anschlussregelung, die einen gewissen Außenschutz beinhaltet und so Landwirten längerfristige Perspektiven und Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre gibt. Er bezweifelt die Aussage von Entwicklungspolitikern, dass durch eine völlige Öffnung des weltweiten Zuckermarktes die Bauern in den ärmeren Ländern begünstigt werden. "Kaffeebauern beispielsweise sind seit dem Fall der Handelsschranken noch ärmer geworden", argumentierte der Redner und fügte hinzu: "Ein liberalisierter Weltagrarmarkt nutzt nicht den Bauern, er dient viel mehr dem Wohlergehen der Großkonzerne."
Deß favorisierte die Einrichtung von vier Agrarhandelszonen (Europa, Amerika, Afrika und Asien), innerhalb derer die Handelsschranken abgebaut und feste Handelsmengen vereinbart werden. "Die Ölscheichs zeigen uns deutlich, wie ein Mengenbegrenzungssystem funktioniert. Zudem wären wir weniger erpressbar, wenn wir die Agrarüberschussflächen in Europa für nachhaltige Energie- und Rohstofferzeugung einsetzen würden", so sein Credo. Deß gab aber auch unumwunden zu, dass bei der Gestaltung der neuen Zuckermarktordnung das EU-Parlament "nur sehr eingeschränktes" Mitspracherecht hat. Entscheidend sei die europäische Kommission und vieles hänge vom Einsatz der grünen Bundesministerin Renate Künast ab.
Als Vertreterin der Zuckerregion Unterfranken überbrachte die Abgeordnete im Europaparlament Dr. Anja Weisgerber (CSU) den gut 100 Anwesenden zumindest hinsichtlich des Reformbeginns beruhigende Nachrichten. "Nicht schon 2005, sondern voraussichtlich erst 2006."

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