Waldboden ist jetzt Rechtsgut

Saalezeitung

Forschungsprojekt zum Boden- und Grundwasserschutz
HAMMELBURG. Trockenheit, Käferbefall und die Luftbeschaffenheit hatten nach Meinung der Experten deutlich gestiegene Waldschäden im Bereich Hammelburg verursacht. Zum Zustandsbericht des Waldes begrüßte am Freitag Forstamtsleiter Winfried Uffelmann Dr. Ludwing Albrecht und Peter Aichmüller von der Forstdirektion Unterfranken aus Würzburg sowie Dr. Christian Kölling von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft aus Freising.
Auch die Abgeordnete des europäischen Parlaments, Dr. Anja Weisgerber (CSU), zeigte lebhaftes Interesse am Zustand der unterfränkischen Wälder sowie an Forschungsprojekten zum Boden- und Grundwasserschutz. Die Juristin aus Schwebheim sammelte an der forstlichen Basis vor Ort gerne anschauliche Argumente für ihre Debatten in Brüssel und Sraßburg. Begreift sich Weisgerber doch als Anwältin nicht nur der Menschen sondern auch der Natur mit deutlicher Bodenhaftung – gerade in der Vorrhön. Schon seit über 20 Jahren habe die Bayerische Staatsforstverwaltung mit Ihrem Verfahren zu Waldzustandserhebung die Nase vorn gehabt, erinnerte Albrecht an die Vorreiterrolle des Freistaates. Mittlerweile sei das Erhebungsverfahren in 35 europäischen Ländern sowie in Kanada, USA und Weißrussland übernommen worden. Denn weltweiten folge man mittlerweile der Erkenntnis, dass nur ein gesunder Wald mit leistungsfähigen Böden der Lieferant für genügend Grund- und Trinkwasser sei.
Waldboden in Gefahr
Überdies sei der Waldboden auch Filter, Lebensraum, Nährstoffspeicher, Kulturgut und neuerdings auch ein Eu-weit anerkanntes Rechtsgut, bestätigte Kölling. Er sah die dünne Erdhaut stellenweise in großer Gefahr, ein irreparabler Schaden. Die Anschauung in Sachen Waldboden gab es vor Ort an einer Bodendauerbeobachtungsfläche im Distrikt Lichteneiche des bei Thulba gelegenen Neuwirtshauser Forstes. Dort zeit Kölling anhand eines Bodenprofils die Beschaffenheit des Waldbodens auf. In Bayern gibt es 46 solcher Bodenbeobachtungsflächen.
Sprunghafter Anstieg der Waldschäden
National sei die Erhebungsdichte viermal so dicht wie im übrigen Europa, so Kölling. Er appellierte an Weisgerber, über die Politik die Umweltinitiative zu ergreifen, sich für die vermehrte Bodenüberwachung in den europäischen Wäldern stark zu machen und Maßnahmen zu unterstützen, die den Erhalt des gesunden Waldbodens fördern.
Aichmüllers Waldzustandsbericht sprach von deutlichen Schäden, vor allem beim Nadelholz (etwa 30 Prozent). Die Dürre des Jahrhundertsommers 2003 habe die Schadenshöhe rapide nach oben springen lassen. Mit der Trockenheit seien der Borkenkäfer und dessen Verwandte gekommen. Eine dritte Geisel für den Wald sah Aichmüller in der Luftbeschaffenheit.
"Was kann man da ändern?", fragte Weisgerber. Von jetzt auf gleich gehe nichts, bedauerte Aichmüller. Wenngleich sich der Wald auf lange Jahre gesehen prinzipiell erholen könne. Die Ursachen für die Schädigung seien halt vielfältig. Uffelmann bestätigte, dass die Hälfte des Holzeinschlags 2004 im Hammelburger Bereich so genanntes Käferholz gewesen sei.
Sie nehme die Bilder aus dem Wald mit ins Europaparlament, versicherte die Abgeordnete. Denn so könne sie viel anschaulicher über die wichtigen Schutzfunktionen des Waldes und dessen Bedürfnisse reden. Als Anwältin der Natur werde sie sicher in Brüssel und Straßburg für gesunde europäische Wälder engagiert einsetzen, versprach Weisgerber.

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