Wasserstoff statt Tiger im Tank

Schweinfurter Tagblatt

Vision scheint greifbar nahe: Null-Liter-Auto

SCHWEBHEIM (MAR) Zukunftsmusik, Vision oder nahe Realität: durch die Kombination von erneuerbaren Energien und Wasserstofftechnologie könnte der Schadstoffausstoß im Verkehr fast auf Null reduziert werden.

"Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft", verkündete die stellvertretende Bezirksvorsitzende der Jungen Union Unterfranken, Anja Weisgerber, auf dem Energieforum der JU in Schwebheim. Clou der Veranstaltung waren nicht nur die hochkarätigen Referenten aus Politik und Wirtschaft, sondern auch ein BMW 750 mit Wasserstoffantrieb.

Holger Braess präsentierte das Schmuckstück der Bayerischen Motorenwerke und erläuterte den Stand der Wasserstofftechnologie insbesondere für den Einsatz im motorisierten Straßenverkehr. "Die Vision vom Null-Liter-Auto ist greifbar", versprach Holger Braess den fast 200 Interessenten des JU-Forums. "Es ist genug da für uns alle und es ist langfristig die sinnvollste Lösung", erklärte der Vertreter der Firmengruppe die Intention seines Hauses für die Investition in die Wasserstoff-Anwendung. Bereits 1979 hatte BMW das erste Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb präsentiert. Inzwischen gibt es Modelle der fünften Generation.

"Diese Entwicklung zeigt, dass es sich dabei nicht nur um eine technologische Seifenblase handelt", betonte Braess. Wasserstoff sei für ihn die ideale Lösung bei den erneuerbaren Energien, nicht nur im Verkehr, da "Wind und Sonne etwas unzuverlässig" seien. Jedoch sei die Gewinnung des Wasserstoffes aus Erdgas im Hinblick auf den Schadstoffaustauch nicht "so günstig". Realistisches Ziel im Hinblick auf die Kosten-Nutzen-Rechnung sei daher ein Energie-Mix aus Wasserstoff, der teilweise mit Hilfe von Erdgas hergestellt würde, teilweise jedoch aus regenrativen Energien wie Wasserkraft, Biomasse und Solarthermie.

Braess griff auch die Befürchtungen innerhalb der Bevölkerung auf, dass Autos mit Wassertoff-Tank explosionsgefährdet seien. Crash-Versuche hätten dies nicht bestätigt. Da Wasserstoff jedoch prinzipiell brennbar sei, bleibe ein Restrisiko, wie beim Benzin auch.

Eine Markteinführung sei erst möglich, wenn auch die Versorgung mit Wasserstoff flächendeckend gewährleistet sei. Dabei gebe es jedoch "sensible Berührungspunkte" zwischen Autoindustrie, Ölproduzenten und Tankstellenbetreibern. Eine zu frühe Markteinführung hätte eine Dauersubvention zur Folge, die weitere Forschung verhindern würde. Dennoch sei die Realisierung des Null-Liter-Autos kein Hirngespinst, sondern in zehn bis 15 Jahren mögliche Realität. "Die Autoindustrie glaubt an die Wasserstoffwirtschaft", so Braess. Die Zeit bis zur Markteinführung werde genutzt, Probleme auszuräumen, wie beispielsweise die geringerer Motorenleistung.


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