Weltweiter Rohstoff-Hunger

Schweinfurter Anzeiger, 3. Februar 2008

Der Handel mit Metallschrott blüht – Forderung nach einheitlichen Regelungen für fairen Wettbewerb

Schweinfurt. Rohstoffe und Recycling gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das spürt auch die Franken-Rohstoff im Hafen als Mitglied der Interseroh-Gruppe mit Sitz in Köln.
Die Franken-Rohstoff mit ihren 144 Mitarbeitern steuert rund 15 Prozent des Metall- und Stahlschrottaufkommens für die Interseroh bei. Daneben hat sich die 1896 im Zuge der Schweinfurter Industrialisierung gegründete Franken-Rohstoff auch zu einem bedeutenden Verwerter für Altpapier entwickelt und spielt bei der Kfz-Verwertung, Grüngutannahme und Aktenvernichtung eine bedeutende Rolle.
Der „weltweite Hunger nach Rohstoffen“, wie ihn Interseroh-Vorstand Christian Ruhbach anlässlich eines Pressegespräches bezeichnete, beschert dem Unternehmen rasant steigende Umsätze. Die Erlöse mit Stahl- und Metallschrott seien inzwischen so hoch, dass sich auch Verfrachtung nach China und Indien rentiere.

Aber auch die Türkei hat sich zu einem weltweit führenden Importeur entwickelt. Die Franken-Rohstoff hat bislang auch immer gute Geschäfte mit Italien gemacht. Rund 40 Prozent ihrer Stahl- und Metallschrottausfuhr gingen bis Sommer vergangenen Jahres auf den Appennin. Seitdem gibt es die Europäische Rohstoffverbringungsverordnung, nach der Metallschrott als Abfall definiert ist.

Italien hat das alte Landesrecht, welches Metallschrott als Rohstoff definiert, noch nicht geändert, weshalb italienische Importeure keinen Metallschrott – da anders deklariert – mehr einfahren dürfen. Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber erkundigte sich vor Ort bei der Franken-Rohstoff über modernes Recycling, wie es künftig überall innerhalb der EU Standard werden soll. Gleichzeitig soll auf die italienische Regierung eingewirkt werden, die neue EU-Verordnung auch Landesrecht werden zu lassen.

Ein Einschreiten sei dringend notwendig, denn nicht erfüllt habe sich nämlich die Hoffnung von Franken-Rohstoff-Geschäftsführer Bernhard Seufert, dass es zu einem Aufschrei der italienischen Importeure kommen würde, wenn sie keinen Metallschrott mehr beziehen können. Obwohl bis auf Italien alle Mitgliedsländer der neuen Verordnung zugestimmt haben, gebe es schwarze Schafe, die durch Umdeklarierung die italienischen Landesvorgaben erfüllen und weiterhin gute Geschäfte machen können. Das istfür Seufert eine ganz klare Wettbewerbsverzerrung, zumal die dabei beschrittenen Wege ganz klar gegen das neue Gesetz verstoßen.

Anja Weisgerber will nun in Brüssel auf ihre italienischen Kollegen einwirken, endlich die in Kraft getretene Verordnung auch in Italien umzusetzen, damit wieder Wettbewerbsgleichheit herrscht. Gleichzeitig will sie auf schärfere Importkontrollen drängen, um illegale Metallschrotteinfuhren nach Italien zu verhindern.

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