Wenn Gips nicht gleich Gips ist: Wie das Iphöfer Unternehmen Knauf von der neuen EU - Chemikalien-Gesetzgebung betroffen ist

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Iphofen In den Vorständen der Chemieindustrie geht ein Reizwort um: Reach.
Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Entwurf eines neuen Chemikaliengesetzes der EU-Kommission, von dem auch in der Vorstandsetage der Knauf Gips KG nicht abzusehen ist, ob und wie das Unternehmen betroffen sein wird.

Über die Einschätzung der Werksleitung informierte sich die
Europaabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der CSU-Gruppe im Europaparlament, Dr. Anja Weisgerber. Denn Mitte November wird sich das europäische Parlament mit der ersten Lesung des Gesetzespaktes - es gilt als umfangreichstes der laufenden Legislaturperiode - befassen. Mit dem Reach-System will die EU - vereinfacht ausgedrückt - eine einheitliche Registrierung, Bewertung und Zulassung chemischer Stoffe erreichen.
Gegenwärtig wird nämlich unterschieden nach Altstoffen (vor 1981) und neuen Stoffen. Während neue Stoffe bereits auf etwaige Risiken für Mensch und Umwelt geprüft und beurteilt werden müssen, gelten für die alten nicht die gleichen Anforderungen. Fachleute schätzen, dass es etwa 30 000
Altstoffe gibt, von denen nur wenige auf ihre Wirkungen hin untersucht sind. Hier soll Reach Verbesserungen bringen. Anders als bisher soll künftig der Hersteller oder der Importeur für die Sicherheit der Chemikalien verantwortlich sein. Mehr noch, sie müssen die für die Bewertung notwendigen Daten und Untersuchungen selbst beschaffen und bezahlen. Bisher war das Aufgabe der Behörden, weshalb hier eine Beweislastumkehr stattfindet. Eine neu zu schaffende EU-Behörde soll die Registrierung erledigen. Erfasst werden alle Chemikalien, die pro Jahr ab einer Tonne hergestellt werden. Weiter ist neu, dass die nachgeschalteten Verwender in den Blickpunkt rücken. So sind Anwender verpflichtet, dem Hersteller nicht registrierte Verwendungen mitzuteilen. Beim Besuch in Iphofen sagte die EU-Abgeordnete Weisgerber, dass sie ihre Aufgabe darin sehe, den Kommissions-Vorschlag im Hinblick auf den Mittelstand zu verbessern. Aus diesem Grund habe sie Änderungsanträge ingebracht, die zu einer Kostenentlastung, Entbürokratisierung und Vereinfachung von Reach führen sollen. Für das weltweit tätige Unternehmen Knauf bedeute das neue Gesetz, dass der in der Natur vorkommende Gips nicht unter die Registrierungspflicht falle. Wie aber ist es beim hauptsächlich
verwendeten Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (Rea-Gips)? Hier reagiert das in den Abgasen enthaltene Schwefeldioxid mit dem beigemengten Kalkstein zu Gips. Der so gewonnene Rohstoff ist zwar chemisch identisch mit dem in der Natur vorkommenden Gips, würde aber nach dem aktuellen
Vorschlag der Kommission unter Reach fallen. Was das für das Unternehmen bedeuten könnte, beschrieb geschäftsführender Gesellschafter Baldwin Knauf: Unternehmen, bei denen synthetische Gipse anfallen, könnten diese anderweitig entsorgen, um sich Reach zu ersparen. Für die Weiterverarbeitung in den Knauf-Werken würden diese Stoffe dann fehlen. Zu diesem für das Unternehmen wichtige Frage habe die Fraktion der Europäischen Volksparteien (EVP) einen Änderungsantrag eingebracht, sagte Weisgerber. Dessen Ziel ist es, dass auch anorganische Stoffe mit großer Verbreitung und hinreichender Kenntnis über deren Risiken ausgenommen werden. Dieser Antrag wurde, so Weisgerber, vom Binnenmarktausschuss und vom federführenden Umweltausschuss des EU- Parlaments angenommen. Es sei
davon auszugehen, dass neben natürlichem Gips auch synthetisch hergestellte Gipse zumindest von der Registrierung ausgenommen sind. Die endgültige Abstimmung ist für Mitte November in Straßburg vorgesehen.
Bereits abgewendet sind laut Weisgerber überzogene Auflagen für ungefährliche Abfälle aus der mineralgewinnenden Industrie. Wie Weisgerber sagte, wurden die Stoffe ausgenommen, die bei der Ausbeute von gipshaltigem Gesteins übrig bleiben. Sie können deponiert werden.

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