EHEC – Ein deutsches Problem, aber eine europäische Herausforderung

In den letzten Wochen infizierten sich vor allem im Norden Deutschlands viele Menschen mit dem gefährlichen EHEC-Keim, dessen Ursache bislang ungeklärt bleibt. Die Zahl der Erkrankten hat nahezu die 2000er-Marke erreicht und auch die Zahl der Todesfälle steigt täglich. Die ursprüngliche Vermutung, dass die spanische Gurke der Auslöser der Epidemie sei, konnte sich nicht erhärten. Zwar trugen diese Gurken das EHEC-Bakterium auf sich, es gehört jedoch nicht zu dem Stamm, das die Krankheitsfälle hervorruft. Auch die Vermutung, dass die Infektion ihren Ursprung in Sprossen aus einem niedersächsischen Betrieb findet, konnte bisher nicht bestätigt werden.

Bislang liegt das Zentrum der Infektion im Norden Deutschlands, inzwischen sind aber auch andere Bundesländer und einzelne Bürger in anderen europäischen Ländern betroffen. Diese an EHEC oder dem sich daraus entwickelnden HUS-Syndrom erkrankten Europäer hatten in den letzten Wochen Kontakt mit Deutschland.

Wir Europäer profitieren von einem gemeinsamen Binnenmarkt mit gemeinsamen Waren. Auch das Reisen in andere Länder war noch nie so einfach wie seit der Abschaffung der Grenzkontrollen im Jahr 1995. Durch diesen freien Personen- und Warenverkehr steigt jedoch auch das Risiko, dass sich die Infektion schnell auf andere Länder ausbreitet. Es war daher richtig, dass sich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sofort nach dem vermehrten Auftreten der Krankheit mit Hilfe des Europäischen Schnellwarnsystems an die Europäische Kommission gewandt und eine Warnmeldung gesendet hat. Der Ausbruch der EHEC-Infektion in Norddeutschland, die sich inzwischen auch auf andere Bundesländer und einzelne Europäer ausgebreitet hat, zeigt, dass wir Europa als koordinierende Kraft brauchen. Gerade im vorliegenden Fall gewährleistet Europa durch das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und  -kontrolle, das sogenannte „Europäische Gesundheitsamt“, dass die Informationen an einer Stelle gebündelt werden. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission werden aktuelle Informationen ausgetauscht und ausgewertet. Ein Vorgang, der aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands in diesem Umfang nicht in der Kürze der Zeit machbar wäre.

Sobald die Quelle des gefährlichen Keims aufgedeckt ist, müssen wir uns auf europäischer sowie nationaler Ebene weiteren Fragen stellen. Wir müssen die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel und die damit verbundenen Kontrollen noch weiter verschärfen. Denn, auch wenn der Keim auf den spanischen Gurken nicht der Auslöser für die Epidemie ist, so handelt es sich um einen Fäkalkeim, der auf einem Nahrungsmittel nichts zu suchen hat.

Zudem müssen wir künftig den Einsatz von Antibiotika überdenken. Zwar ist der EHEC-Erreger nicht für eine Behandlung mit Antibiotika geeignet, da er gegen viele gängige Antibiotika resistent ist. Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Human- sowie der Veterinärmedizin führt dazu, dass immer mehr Keime gegen Antibiotika resistent werden und so schlechter behandelt werden können. Das Europäische Parlament ist sich dieses Problems schon seit Längerem bewusst und hatte daher bereits im Mai, vor dem Auftreten der EHEC-Infektionen, eine Resolution zu Antibiotikaresistenzen verabschiedet, in der sie einen maßvollen Einsatz von Antibiotika fordert. Wir müssen uns nun gemeinsam auf allen Ebenen für die Umsetzung dieser Strategie einsetzen.

Neben der Vielzahl der Erkrankten haben die EHEC-Infektionen auch negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Aufgrund der Warnungen  der letzten Wochen, keine rohen Gurken, Tomaten oder Salat zu essen, verzeichneten die Landwirte erhebliche Einbußen. Der Landwirtschaftskommissar Ciolos hat daher vorgeschlagen, den betroffenen Landwirten 210 Mio. Euro Entschädigungszahlungen aus dem Agrarhaushalt zur Verfügung zu stellen. Wenn die Mitgliedstaaten am 14. Juni zugestimmt haben, kann das Geld bis Juli bereitstehen. 

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