Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments stellt sich hinter die deutschen Krankenschwestern

Realschülern Zugang zum Beruf ermöglichen

Erstes Aufatmen: Der Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments sprach sich heute mit sehr klarer Mehrheit (48 Stimmen dafür, 12 Gegenstimmen) dafür aus, dass auch weiterhin Schulabsolventen nach 10 Jahren allgemeiner Schulbildung den Krankenpflegeberuf erlernen können. Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres ging ein Ruck durch Deutschland, als bekannt wurde, dass die EU-Kommission im Rahmen der Überarbeitung der Berufsanerkennungsrichtlinie die Zugangsvoraussetzungen zur Krankenpflege¬ausbildung von 10 auf 12 Jahre allgemeine Schulbildung anheben will. Einen „Vergleich von Äpfel und Birnen“ nennt dies die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber, die den Gesetzesvorschlag für das gesamte EU-Parlament im Gesundheitsausschuss betreut. „Verschiedene Schul- und Ausbildungstraditionen in Europa machen einen Vergleich der reinen Schuljahre unmöglich. Es kommt auf die Qualität der Ausbildung an und nicht auf die vorher abgeleisteten Schuljahre. Und die deutsche berufsfachschulische Ausbildung hat eine ausgezeichnete Qualität. Wir haben heute einen ganz wichtigen Zwischenerfolg erzielt. Nach der klaren Entscheidung des Gesundheitsausschusses sollen auch in Zukunft Realschüler Krankenschwester oder -pfleger werden können“, so Weisgerber.

Der Gesundheitsausschuss votierte für einen Vorschlag, der vorsieht, dass die Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger mindestens 10 Jahre allgemeine Schulbildung und nicht, wie von der Kommission vorgeschlagen, für alle zwölf Jahre allgemeine Schulbildung ist. Damit kann das sehr erfolgreiche deutsche System erhalten bleiben. Durch die Formulierung „mindestens 10 Jahre“ soll den Mitgliedstaaten, die heute bereits mehr als 10 Jahre allgemeine Schulbildung bei Antritt der Pflegeausbildung nachweisen müssen, die Angst vor einer Herunterstufung genommen werden. „Wir haben in Deutschland eine sehr erfolgreiche berufsfachschulische duale Ausbildung. Unsere Jugendarbeitslosigkeitsquote liegt mit rund 8 Prozent weit unter dem EU-Durchschnitt von rund 23 Prozent. Diesen bewährten Ausbildungsmodellen muss Rechnung getragen werden“, so Weisgerber.

In Deutschland besitzen rund aktuell 45 Prozent der Krankenschwestern und Pfleger Abitur. In Bayern sind es sogar nur 25 Prozent. Durch eine Anhebung der Zugangsvoraussetzungen würde in Deutschland ein gravierender Fachkräftemangel drohen. „Eine Heraufsetzung der Zulassungsvoraussetzungen auf 12 Jahre allgemeine Schulbildung würde gut jedem zweiten jungen Menschen, der bereit ist, in die Pflege zu gehen, den Zugang zum Berufsfeld versperren. Ich bin erleichtert, dass wir nun ein starkes Signal gegen den Kommissionsvorschlag gesendet haben“, so Weisgerber abschließend.

Die Abstimmungen im federführenden Binnenmarktausschuss sind  für Januar 2013 geplant.

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